Sie sind die härtesten Krieger der Welt. Die Elite, die Besten. Sie sind die Soldaten, die Osama bin Laden († 54) zur Strecke brachten.
Mythos Navy Seals!
79 Mann und ein Hund waren mit geheimen Tarnkappen-Hubschraubern in der Nacht zum 2. Mai in Abbottabad (Pakistan) im Einsatz, töteten den schlimmsten Terroristen der Welt in seinem Versteck. Die Männer gehörten zum „Team Six“, der Elite der Eliteeinheit – die laut US-Militärs offiziell nicht einmal existiert.
Doch wer sind diese tödlichsten, mit High-Tech-Waffen ausgerüsteten, Kampfmaschinen der Welt?
Jetzt packt ein ehemaliger Seal aus. Die Memoiren von Howard E. Wasdin (49) „SEAL Team Six: Memoirs of an Elite Navy SEAL Sniper“ (dt. „Navy Selas Team 6: Erinnerungen eines Elite-Scharfschützen“, St. Martin´s Press Verlag) stürmten in den USA sofort die Bestsellerliste.
Die 352 Seiten starke Lektüre ist „der Stoff für einen Jerry-Bruckheimer-Thriller“, schrieb die „Washington Post“ beeindruckt. Da gibt es Schlägereien in Stripclubs, Einblicke ins unmenschliche Training, Feuergefechte in den dunklen Gassen von Mogadischu (Somalia).
Dazu mischt Wasdin – einer der „weltbesten Scharfschützen“, so der Klappentext – viel Atmosphäre, Draufgängerei aber auch Pathos.
BILD.DE DOKUMENTIERT DIE HIGHLIGHTS DES BESTSELLERS:
Wasdin wuchs in Florida auf, sein Vater verließ ihn, der Stiefvater prügelte, er brach das College ab, landete bei der Navy. „Für mich war es eine Rettung, denn ich war auf dem Weg zum Versager“, schreibt der Veteran.
Er überstand das brutale Training, „das jedem normalen Menschen das Rückgrat brechen würde – darunter Versenkungen im Pool mit gefesselten Händen, das Überwinden meterhoher Meeresbrandungen in voller Kampfmontur, halsbrecherisches Freiklettern, Qualen im Grenzbereich am Hindernis-Parcours“.
Wasdin erntete Anerkennung als Navy Seal im ersten „Dessert Storm“-Golfkrieg, stieg auf in die Gruppe der „Besten der Besten“ – Team Six.
Seinen Alltag beschreibt er so: „Ich war stationiert in Virginia Beach, wenn ich nicht im Einsatz war, trug ich mein Haar meist länger. So konnte ich unauffällig reisen, fiel nicht als Soldat auf.“ Die eiserne Regel der Seals lautete: nie mehr als zwei Bier und immer nur „Coors Light“, denn der Marschbefehl konnte innerhalb von Minuten kommen.
Wasdin: „Eines Tages saß ich mit meinem siebenjährigen Sohn in einem Pizzaladen, als mein Pager vibrierte: T-R-I-D-E-N-T-0-1-0-1. Übersetzt heißt der Code: Finde dich in der Kaserne von Team Six ein. Oft war sogar angeführt, welches Eingangstor zu verwenden sei. Diesmal hieß es: Gleich zur Maschine. Die Tasche mit Waffen und Ausrüstung war da bereits an Bord. Mehrere habe ich stets fertig gepackt, markiert mit verschiedenen Farben für die Art der Missionen.“
Rasch verabschiedet er sich von der Familie: „Wo geht es hin?“, fragt meine Frau. „Ich weiß es nicht“, antwortete ich knapp: „Und wenn ich es wüsste, dürfte ich es dir ohnehin nicht sagen, bis bald!“
Wasdin schreibt: „Genau das war ein weiterer Nagel in den Sarg unserer Ehe – ich war mehr mit dem Team verheiratet als mit ihr.“
Eine Stunde später sitzt der Kommando-Kämpfer bereits im Rumpf einer geschwärzten C-130-Cargomilitärmaschine: „Es war finster, im roten Dimmerlicht checke ich, ob meine Tasche in Griffweite ist. Drei meiner Sniper-Kameraden hocken neben mir. Das Briefing führt ein Offizier des Joint Special Operation Command (JSOC) durch, fragt: ,Könnt ihr, wie versprochen, alles, jederzeit unter allen denkmöglichen Umständen exekutieren, inklusive eines Todesschusses aus 730 Metern Distanz?' Er fuhr fort: ,Auf euch wartet eine Nacht-HALO auf ein ausgemachtes Ziel“.
HALO, erklärt Wasdin, steht für „High Altidude Low Opening“. Übersetzt: Freier Fall aus großer Höhe, das Ziehen an der Fallschirm-Reißleine erst knapp über dem Boden.
Das größte Problem bei diesen Sprüngen ist die bittere Kälte in 8500 Metern, der eisige Fallwind. Der Landepunkt wird erklärt, die Stelle, wo die Fallschirme vergraben werden sollen: Erst jetzt kommt die Info, dass es sich um eine Trainingsmission handelt“, schreibt er.
Teuer ist die Ausstattung: Polypropylen-Unterhosen von der Qualitätsmarke „North Face“ statt Boxers, Socken aus edelster Wolle, an den Händen „Nomex“-Aviator-Handschuhe. Dazu die Standard-Tarnanzüge, Hut mit breiter Krempe, als „Fläche für Tarnvegetation“.
Er trägt als „Nebenwaffe“ eine SIG SAUER P-226 Navy 9 mm, speziell gebaut für die Seals, „die beste Handfeuerwaffe, die ich jemals abfeuerte“. Mit im Gepäck sind Karten, ein Kompass, Taschenlampe, bei einer realen Mission käme eine GPS-Gerät hinzu, auch ein experimentelles Funkgerät, das selbst patschnass noch bestens sendet. Beim Scharfschützengewehr setzten die Seals auf die „0.300 Winchester Magnum“, „die Patronen sind weniger windanfällig, die Reichweite größer“, so Wasdin,
„Der Countdown läuft: Dreißig Minuten tönt es, jetzt ist die ideale Zeit für das letzte Pinkeln, in eine Pissröhre an der Innenwand. Bald geht die Rampe runter, das Handzeichen für 30 Sekunden erscheint: Grünes Licht, nach und nach stürzen wir aus der Maschine, die Flughöhe beträgt 3660 Meter, in 760 Metern öffnet sich der Schirm, ich klappe das NOD-Nachsichtgerät über die Augen, wir landen, räumen die Fallschirme weg, marschieren durch den peitschenden Regen zum vorgesehen Treffpunkt.“
Er denkt noch: „Was für ein Leben – vor wenigen Stunden aß ich noch mit meinem Sohn Pizza, jetzt pirsche ich nach einem Fallschirmabsprung durch den Wald.“
Die Männer liegen in zwei Teams im feuchten Boden vor dem Angriffsziel, 450 Meter entfernt sind in einem alten Haus die auszuschaltenden Personenattrappen montiert. Die Schützen schätzen Windgeschwindigkeit, benennen die Stockwerke mit „Alpha, Bravo, Charlie, Delta...“, nummerieren die Fenster: Das macht die Kommunikation präziser.
„Dann der Schuss. Der Kolben liegt an meiner rechten Schulter, der Finger am Anzug, ich halte die Luft an, so lange bis das Fadenkreuz über dem Ziel ist – bang!“
Der Schock kommt jedoch bei der Besprechung am Stützpunkt: „Wir alle hatten uns perfekt dem Ziel genähert, doch uns grob bei der Distanz verschätzt und alle danebengeschossen“, schreibt Wasdin. Dem Kommandanten bleibt nur Sarkasmus: „Vielleicht hätte der Feind ja vor Schreck einen Herzanfall bekommen.“
Der Autor: „Wir mussten mehr und besser trainieren – denn beim nächsten Einsatz sollten wir auf Häuserdächern in Mogadischu liegen.“
Teil II
Die Elitesoldaten der US-Navy Seals, sie töteten Osama bin Laden († 54). Jetzt packt in einem US-Bestseller der Ex-Scharfschütze der geheimen Seals-Sondereinheit „Team Six“, Howard Wasdin (49), aus.
BILD.de protokolliert anhand des Buches den Alltag der härtesten Kämpfer der Welt:
„Wenn die US-Marine ihre Elite schickt, schickt sie die Seals, wenn die Seals ihre Elite schicken, schicken sie Team Six“, bringt Wasdin in „SEAL Team Six: Memoirs of an Elite Navy SEAL Sniper“ (St. Martin´s Press) seine Spezialaufträge auf den Punkt.
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Seal Team Six
Perfekt getimt: Unmittelbar nach dem Einsatz der Navy Seals in Pakistan, erschien das Buch von Howard E. Wasdin in den USA
Foto: PR
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Buch-Autor Howard E. Wasdin
Beim Einsatz in Somalia 1993 gerieten er und seine Kameraden in die Hölle.
MOGADISCHU, 1993
„In der Morgendämmerung des 18. September 1993 lag ich mit meinem Kumpel „Casanova“ am Flachdach eines sechsstöckigen Gebäudes in der Bürgerkriegsstadt Mogadischu. Ziel der Mission war der Finanzier des Warlords Mohamed Farrah Aidid, Osman Ali Atto, der jedoch lebend gefangen werden sollte. Meine Aufgabe war es, seine Männer ins Visier zu nehmen. Sie wurden in einem Haus gut 450 Meter entfernt vermutet. In meinem Kopf spielte ich das Szenario bereits durch. Ich würde abdrücken, blitzschnell nachladen für weitere dieser Rotzfresser. CIA-Kontakte gaben den Angriffsbefehl, „Black Hawk“-Helikopter schwärzten den Himmel, „Delta Force“-Soldaten seilten sich am Gebäude ab. Attos Leute rannten wie die Ratten. Ich legte mein ,0,300 Win-Mag'-Scharfschützengewehr an, sah durch mein ,Leopold 10'-Zielfernrohr einen Kämpfer, der durch ein offenes Fenster feuerte.“
Wasdin bleibt ruhig.
„Meine Augen waren durch das Fadenkreuz auf mein Ziel fixiert, meine Muskeln wussten längst auswendig, was zu tun sei: Gewehrkolben gegen die Schulter drücken, Atem anhalten, den Abzug ziehen, mit müheloser Kraft von rund zwei Pfund. Die Kugel traf ihn in der linken Brusthälfte. Er zuckte, krümmte sich. Während seines Falls scannte ich bereits nach neuen Zielen. Ein Milizionär mit einer AK-47 kletterte die Feuerleiter runter, er kippte nach vorne, wusste nicht mal, was ihn gerade traf. Das Maschinengewehr fiel zu Boden. Als es ein weiterer Kämpfer aufheben wollte, durchkreuzte meine Win-Mag dieses Vorhaben.“
HÖLLEN-SCHLACHT IN SOMALIA
Rund um Wasdin tobte nun nichts als das Chaos eines mörderischen Kampfes in der Somalia-Höllenstadt: Maschinengewehrfeuer, das ohrenbetäubende Knattern der Kampfhubschrauber:
„Doch ich war in meiner eigenen kleinen Welt, nichts existierte außerhalb meines runden Sichtfensters des Zielfernrohres. Mein Job war, Feinde abzuknallen. Nach und nach. Plötzlich sah ich, 730 Meter entfernt, einen Aidid-Kämpfer, der mit einem Granatwerfer auf seiner Schulter auf einen Helikopter zielte. Es würde der längste Tötungsschuss meiner Laufbahn werden – und der wichtigste....“
Fesselnd beschreibt Wasdin das „Seals“-Training, mit dem er sich auf solche Einsätze vorbereitet hatte – und das das nur 20 Prozent der Rekruten überhaupt durchstehen. „Höllenwochen“ nannten sie die endlosen Monate im „Naval Special Warfare Center“ in Coronado (Kalifornien), wo die Männer unter anderem ein einäugiger Vietnam-Veteran quälte und ihnen in den wenigen Pausen blutige Horrorgeschichten aus dem Dschungel erzählte.
MIT GEFESSELTEN BEINEN UND HÄNDEN IN DEN POOL
Einzigartig schon der Hindernis-Parcours: 20 Meter hohe Netze waren zu erklettern, dreistöckige Hausattrappen. Als sogar ein Triathlet zusammenbrach, brüllten die Ausbildner „Heulsuse“:
„Wir schoben Boote in voller Kampfmontur in die Brandung, drei Meter hoch türmten sich die Wellen auf, schleuderten das gekenterte Boot, mit Wasser gefüllt so schwer wie ein Auto, auf uns, wir lagen halbtot am Strand, rangen nach Luft, spucken Wasser. ,Haltet ihr ein Nickerchen?', brüllte der Kommandant, verordnete Liegestütze. Es war längst finster, als wir neuerlich die Boote durch die Gischt schoben, diesmal mit Erfolg. Mehrere Sprints entlang des Strandes blieben uns dennoch nicht erspart. Am nächsten Tag schubsten sie uns in den Pool, Hände und Beine gefesselt. Wir rannten unter einem Inferno derbster Beleidigungen. Rasch kannten sie unsere Schwächen, nutzten sie für maßgeschneiderte Torturen. Sie traten uns in die Eier. Und dann: Liegestütz, Sprint, Liegestütz, Parcours, Liegestütz, Schwimmen. Den ganzen Tag lang, wochenlang. Nie ließen sie uns genug Zeit zum Verschnaufen. Als ich bei einem 6,4-Kilometerlauf um Sekunden zu langsam war, musste ich gemeinsam mit anderen Unglückspilzen den ganzen Abend Sanddünen raufsprinten. Sie stießen uns ins kalte Wasser, der Sand rieb meine Haut wund, kroch in Augen, Nasen, meinen Mund.“
Es folgten weitere Abhärtungen. Die Männer wurden über einen Parkplatz getrieben inmitten explodierender Übungsartillerie, immer wieder bespritzt mit kaltem Wasser, aus den Boxen plärrte AC/DC.
„Immer extremer die Qualen: Wir mussten uns bei einer Übung in der frostigen See bis auf die Unterhosen ausziehen und nackt auf einen Metall-Pier am Hafen legen, der Wind pfiff, ich dachte, ich würde auf einem Eisblock liegen. Dann schüttete der Instruktor kaltes Wasser über uns. Es war so kalt, dass wir uns gegenseitig anpinkelten, um uns zu wärmen....“
SCHUSS UNTER DIE NASE
Das knallharte Training half Wasdin in Extremsituationen wie jetzt auf diesem gottverlassenen Hausdach im rauchverhangenen, schwülen Mogadischu am 18. September 1993:
„Ich sah den Typen mit dem RPG-Granatwerfer, es blieb zu wenig Zeit, das Fernrohr auf die fast 800 Meter nachzujustieren. Das Fadenkreuz legte sich über Mr. RPG, ich zog am Abzugshahn. Die Kugel traf ihn gleich unterhalb seiner Nase. Viele denken, dass Getroffene wegen der Wucht des Aufpralles nach hinten fliegen, doch das Gegenteil ist meist wahr. Die hohe Geschwindigkeit des Geschoßes zieht sie nach vorn – meistens fallen sie aufs Gesicht. So auch der: Er kippt nach vorne, drückt am Grantwerfer noch ab, das Geschoß fliegt in eine Straße. Boom.